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Aufforstungprojekt in Costa Rica

AUFFORSTUNG
IN COSTA RICA

Costa Rica,
eines der geologisch jüngsten Glieder der Festlandbrücke zwischen dem nord- und südamerikanischen Kontinent, gehört zu den artenreichsten Gegenden der Erde überhaupt. Vulkanische Hochgebirgsketten, die das Land wie ein Scheitel durchziehen, stellen das Rückgrat der biologischen Vielfalt dar: die unterschiedlichen Höhenlagen, Klima und Feuchtigkeitsstufen der Cordilleras schaffen Lebensräume für 12.000 Pflanzenarten und allein 237 Säugetierarten. Die kaum zu überbietende Flora und Fauna zieht Luxus- wie Rucksacktouristen ins Land, primär aus Nordamerika, aber auch aus Europa (v. a. Spanien, Deutschland) – 2006 erbrachten 1,6 Millionen registrierte Ankünfte einen neuen Rekord an Deviseneinkünften: 1,6 Mrd. USD. Womit Costa Rica in Sachen Fremdenverkehr innerhalb Zentralamerikas weithin abgeschlagen an der Spitze liegt – Panama folgt mit Deviseneinnahmen von 1,2 Mrd. USD im Jahr 2006.

Naturwald gerettet
Costa Ricas Tourismus – bzw. Devisenbringer Nummer 1 – beruht auf den zahlreichen Naturparks, die sich heute über ein Fünftel des Landes erstrecken. Ihre Existenz verdankt sich zu einem guten Teil einer politischen Entscheidung in den achtziger Jahren. Erst damals wurde dem bis dahin rechtmäßigen System der Brandrodung und Umwidmung von Wald für die Land- und Viehwirtschaft ein Riegel vorgeschoben: Eine weitere Abholzung des Naturwaldes wurde untersagt. Und wer aufforstete, wurde gefördert. Die Maßnahmen entsprachen in erster Linie der ökologischen Verantwortung der Regierung. Gleichzeitig konnte damit die Basis des Fremdenverkehrs gesichert und der Forstwirtschaft Aufschwung verliehen werden. Als die staatliche Unterstützung im Jahr 1996 zurückgeschnitten wurde, gingen die Aufforstungen durch die Bauern allerdings augenblicklich wieder zurück, ungeachtet der steigenden Nachfrage nach Holz und Holzprodukten am internationalen Markt.
Teak – gefragtes Holz
Es sind vor allem internationale Investoren, deren unternehmerische Phantasie durch das Langzeitprojekt Holz inspiriert wird. In Costa Rica werden verschiedene Edelhölzer angepflanzt, das meist exportierte Holz ist das ursprünglich aus Burma stammende Teakholz. Dieses Edelholz hat nicht nur den Vorteil, dass es schnell wächst: Die erste Ernte ist im Zuge der Durchforstung bereits nach sieben Jahren möglich, die Rodung schon nach 15 bis 20 Jahren. Dank seiner hervorragenden Eigenschaften sind mit Teakholz zudem stolze Preise zu erzielen, von 400 bis 2.000 Euro pro Festmeter (Ein Festmeter Fichtenholz, der bis zur Ernte bis zu 60 Jahren benötigt, kostet etwa 120 Euro).
 
   
Tirol / Wien in Costa Rica
Ein Aufforstungsprojekt wird derzeit von mehreren österreichischen holzverarbeitenden Unternehmen (Holzcluster Tirol, BóDòMé– Wien) in Costa Rica umgesetzt. Lokaler Partner ist Pan American Woods PAW, eine AG mit vornehmlich holländischen Aktionären (350 Mitarbeiter, Umsatz 2006: 4 Mio. USD). PAW leistete 1988 Pionierarbeit bei der Teakaufforstung in Costa Rica und verfügt heute im Hügelland an der Pazifikküste der Halbinsel Nicoya in der Provinz Guanacaste über 3.800 ha Teakplantagen. Das geerntete Holz wird in der hauseigenen Parkettfabrik verarbeitet. Das bisherige Geschäftsmodell wird nun durch die Zusammenarbeit mit den österreichischen Partnern ausgeweitet. Da auch die lokale Bevölkerung nachhaltig profitiert, wird die Unternehmung von der Austrian Development Agency ADA aus Mitteln der OEZA kofinanziert. Für die Vision und Vernetzung der Partner zeichnet der Innsbrucker Forstwirt Matthäus Lill-Rastern, der Costa Rica seit Jahrzehnten kennt. Kern des Projekts ist es, für Brandrodungsbauern Anreize zu schaffen, ihr Know-how und ihre Arbeitskraft zu nützen, um auf ihrem Grund qualitativ hochwertiges Holz zu produzieren. Eine wichtige Frage ist, wie das Holz der Bauern optimal verarbeitet werden kann. Derzeit sind die beteiligten Firmen dabei, die Möglichkeit und Rentabilität der Produktion „keilgezinkter Terrassendielen“ zu prüfen. Dadurch würde ein Teakprodukt hergestellt werden, das erschwinglich ist. Für die Frage, wie die Bauern die Jahre der Aufforstung bis zur Schlägerung finanziell übertauchen, gibt es zumindest bereits einen Plan: Ab dem Jahr der Aufforstung werden den Bauern die zukünftigen Einschlagsrechte abgekauft. Der staatliche Forstförderungsfonds FONAFIFO wird dafür seine Infrastruktur zur Verfügung stellen. Eine Herausforderung bleibt: Da PAW zu hundert Prozent FSC-zertifiziert ist, darf es nur FSC-Holz verarbeiten. Daher ist es im Sinne der Projektbetreiber, den Bauern effizient zu helfen, sich für FSC Gruppenzertifizierungen zu qualifizieren.
Restitution
Auch Chiquita, einer der größten Bananenproduzenten der Welt, setzt sich für ein Wiederaufforstungsprojekt in Costa Rica ein. Der US-Lebensmittelkonzern betreibt auf der Bananenplantage „Nogal“ im Nordosten des Landes ein hundert Hektar großes privates Regenwaldreservat und verbindet dieses sukzessive mit anderen Waldgebieten in der Sarapiqui- Region. Bauern unterstützen das Projekt, indem sie Land für die Wiederaufforstung zur Verfügung stellen. Für die Errichtung des Bio-Korridors, der vor allem das Überleben gefährdeter Tierarten sichern soll, wurden seit 2003 mehr als 10.000 Bäume von 40 einheimischen Arten gepflanzt. Im gleichen Zeitraum nahmen mehr als 3.000 Einwohner an Schulungen zum Thema Umweltschutz teil. Außerdem werden Wissenschaftsprojekte, etwa in Kooperation mit der Uni Wien, durchgeführt. Chiquitas Initiative, die auch von der Schweizer Einzelhandelskette Migros, der NGO Rainforest Alliance und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ getragen wird, zeichnet sich außerdem durch eine ökonomische Dimension aus: Da die abgelegene Region abseits der große Bananenplantagen wenig Einkommensmöglichkeiten bietet, unterstützt das Nogal-Projektteam die Gründung von Kleinunternehmen. Rund 53 Familien profitieren bereits von den Einnahmen, die etwa eine kleine Schneiderei oder eine Theatergruppe erwirtschaften.
 
 
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